Erfassung und Monitoring

Erfassung von Vorkommen / Bestandsentwicklung und -monitoring bei Elbebiber, Fischotter, Feldhamstern, Fledermäusen u.a.

Die Mitglieder des LFA Säugetierkunde sind an unterschiedlichen Monitoringprogrammen beteiligt. Einige von diesen laufen schon seit Jahren bzw. Jahrzehnten! Veranlassung sind also nict unbedingt nur die FFH-Richtlinie und EUROBATS sowie die damit in Zusammenhang stehenden NBerichtspflichten des Bundes und der Länder.

Außerdem sind für die Berichtspflichten weitere Aktivitäten des LFA interessant, so u.a. die Erfassung von Arten als Voraussetzung für ein darauf aufbauendes Bestandsmonitoring. Im Land Brandenburg besteht eine vorbildliche Organisation dieser Arbeit durch einerseits die große Schar von kompetenten, motivierten und damit aktiven Naturschützern - in Sachen Säugetiermonitoring in der Regel im NABU zusammanarbeitender Säugetierfreizeitforscher und andereseits durch die Arbeit der Koordinationsstelle im Landesumweltamt (die Säugetierschutzwarte in Zippelsförde) - hier werden die Aktivitäten der ehrenamtlichen Helfer angeleitet und zusammengefaßt. Erfahrungen aus anderen Bundesländern zeigen, dasses ihne eine solche Struktur bei Monitoringvorhaben im Säugetierbereich nicht klappt.

Eine Liste der Monitoringaktivitäten ist in dieser Tabelle enthalten.


zu ausgewählten Arten:

Elbebiber (Castor fiber albicus)
Die Erhaltung der mitteleuropäischen Unterart des Bibers, des Elbebiber ist ein wichtiges Anliegen des Naturschutzes. In Brandenburg lebt fast ausschließlich diese Unterart und besiedelt aktuell cirka 45 Prozent der Landesfläche. Waren 1989 noch 79 von insgesamt 289 Kartenblättern (1:25000) besiedelt, so waren es im Jahr 2001/2002 schon 134. Der Biberbestand nahm somit um 68 Prozent zu. Da aus dem Land Brandenburg allerdings nur aus wenigen Revieren wirklich genaue Zählergebnisse vorliegen, ist eine exakte Bestandsangabe derzeit nur bedingt möglich. Nach einer Hochrechnung leben gegenwärtig in Brandenburg 1600 bis 1800 Biber. Mit fast einem Drittel des Gesamt-(Welt-)Bestandes dieser Unterart trägt das Land Brandenburg für die Bestandserhaltung dieser autochtonen Unterart eine besonders hohe Verantwortung.

Im Osten des Landes, im Bereich der Oder tritt (vorerst) vereinzelt der Woroneshbiber (Castor fiber vistulanus) auf. Die gelegentliche Vermischungen mit dieser osteuropäischen Unterart des Bibers führt zur Verdrängung des autochtonen Elbebibers und ist deshalb aus Sicht des Naturschutzes nicht erwünscht und sollte auf keinen Fall durch gezielte Wiederansiedlung dieser oder anderer gebietsfremder Unterarten unterstützt werden. Diese Vermischung der Biberunterarten im Bereich der Oder kann nur über Totfunde sicher geklärt werden. Die Biberpopulationen befinden sich nach wie vor im Wachstum, so dass mit Einwanderungen in heute noch unbesiedelte Gewässer zu rechnen ist. So ist der Elbebiber vor einiger Zeit wieder im Norden des Landes Berlin aufgetreten. Entlang des Tegeler Fließes und der Havel wandert er so allmählich auch in die Großstadt ein.


Fischotter (Lutra lutra)
Der Fischotter gehört zu den am stärksten gefährdeten Säugetierarten Europas, infolge anthropogener Landschaftsveränderungen existieren heute nur noch Restpopulationen deren Verbindungen immer mehr abreißen. In Deutschland gibt es großflächige und lebnsfähige Populationen nur noch in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und teilweise im östlichen Teil Sachsens. Kleinstpopulatione finden sich darüber noch in Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Schleswig-Holstein.

Im Land Brandenburg mit seinen über 3000 Seen und zahlreichen Fließgewässern ist der Bestand des Fischotters noch stabil und nahezu flächendeckend. Die Schwerpunktvorkommen liegen im Bereich der Spree, der Oberen und Unteren Havel, Elster/Pulsnitz, Nuthe/Nieplitz, Welse, Uecker und Stepnitz, Elbtalaue und Oderbruch. Es werden sowohl naturnahe wie auch gestaltete Gewässer (Teichwirtschaft) genutzt, die Ausbreitung erfolgt über die vom Wasser beinflußten Lebensräume (Ströme, Bäche, Gräben, Seen, Teiche, Sumpf- und Bruchflächen und auch stark urban beeinflußte Gebiete).

Durch seine hohe Mobilität hat der Fischotter ein hohen Anspruch an die Reviergröße, wandert deshalb viel und ist deswegen auch stärker als andere Säugetierarten durch den lebensraumzerschneidenen Verkehr gefährdet. Der Verkehrstod stellt aktuell mit 70 % die häufigste Todesursache dar. Ein hohes Gefährdungspotential bergen insbeondere die Verkehrswege, die Gewässer kreuzen und vom Fischotter aber nicht unterquert werden können und die Tiere über die Fahrbahn zwingen. Da sich der Fischotter einer zahlenmäßigen Erfassung weitgehend entzieht (überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, individuell und saisonal schwankende Revieransprüche), ist eine direkte Bestandsprognose derzeit nicht möglich. Neben regionalen Kartierungen führt hauptsächlich eine bewährte Stichprobenmethode (einmalige Untersuchung eines 600 m langen Uferstreifens an durchschnittlich 4 Stichprobenorten je topografische Karte 1:25.000) zu auswertbaren Ergebnissen. Um eine reale Einschätzung zum Erhaltungszustand der brandenburger Fischotter-Population geben zu können, ist die Auswertung aller Totfunde nötig (deshalb ist es erforderlich, dass alle aufgefundenen toten Fischotter geborgen und gemeldet werden!).


Feldhamster (Cricetus cricetus)
Der Feldhamster ist ein Bewohner der Kultursteppe und braucht tiefgründige Lehm- und Lößböden für die Anlage seiner Baue. Er kann aber auch auf schlechteren Böden wie den pleistozän geprägten Diluvialböden Brandenburgs vorkommen. Während der Feldhamster vor 1960 noch in vielen Gegenden Brandenburg zu finden war (in Massen insbesondere in der Gegend um Neuruppin/Kyritz und Gransee), hat er sich inzwischen auf nur noch wenige Bereiche im Havelländisches Luch, im Bereich der Nauener Platte, im Altkreis Brandenburg, im Fläming, im Bereich der Teltower Platte und in der Prignitz zurückgezogen. Bessere Böden sind für den Feldhamster erst wieder in Sachsen-Anhalt zu finden. In Brandenburg stehen ihm nur Diluvialböden mittlerer ackerbaulicher Eignung (lehmige Sandböden) zur Verfügung. Der Nachweis dieser sehr versteckt lebenden Art gelingt hauptsächlich über die sehr charakteristischen Baue (siehe Abb.). Unter den heutigen Bedingungen stellt die Agrarlandschaft in Brandenburg für den Feldhamster nur noch einen suboptimalen Lebensraum dar. Die Rückgangsursachen liegen in den veränderten landwirtschaftlichen Bedingung. Schutzmaßnahmen sollten auf die Regionen mit besseren Böden (Bodenart lehmiger Sand bis Lehm) mit Feldhamstervorkommen beschränkt werden. Dabei sind Nachbarflächen zu Hamstervorkommen bei relativ einheitlich guten Böden für Migrationen und Dismigrationen in solche Programme einzubeziehen. Derzeit ist eine Neubesiedlung schlechterer Böden nicht zu erwarten. Aus- und/oder Umsiedlungen sollten deshalb und aufgrund der unzureichend bekannten Habitatanforderungen dieser Art nicht erfolgen.


Fledermäuse
Zur Bestandserfassung der 18 Fledermausarten, die im Land Brandenburg vorkommen ist unter Arbeitsthemen, Projekte und Säugetierfauna schon einiges geschrieben.


Nähere Angaben über die einzelnen Arten folgen später.