Methoden unserer Arbeit -
wie werden die Arten erfasst und ihre Bestände kontrolliert

Die einzelnen Säugetierarten sind leider nicht mit vergleichbaren oder gar standardisierten Methoden nachweisbar. Folgende Verfahren finden dabei ihre Anwendung:

Gezielte Suche
Durch die systematische Kontrolle vieler Gebäude, im Sommer der Dachstühle, Fensterläden und Schalgiebel, im Winter der Haus-, Erd- und Eiskeller sowie anderer unterirdischer Hohlräume, wurden viele Fledermausquartiere entdeckt. Die gezielte Suche nach Tätigkeitsspuren des Bibers und nach Anwesenheitsmerkmalen des Otters wurde großfächig betrieben. Da einige Tierarten gut zuzuordnende Bauten und Nester haben, so Biber, Feldhamster, Maulwurf oder Zwergmaus, wurden sie zur Kartierung herangezogen und bilden beim Maulwurf sogar den Hauptteil an der Erarbeitung der Verbreitungskarten. Fährten und Trittsiegel spielen seit langem für die Ermittlung von Paarhufern eine Rolle, zunehmend aber auch für andere Arten (z.B. Marderhund, Waschbär, Otter, Wolf, Kaninchen).

Fang (Netzfang, Fledermausharfe und Fallenfang)
Nachdem sich gezeigt hatte, dass auch Fledermäuse unter bestimmten Voraussetzungen mit geeigneten Netzen erfolgreich gefangen werden können, wurde diese material-, zeit- und personenaufwendige Methode in größerem Umfang durchgeführt. Der Großteil der Sommernachweise bei den Wasserfledermäusen wurde so erbracht, ebenso ein Teil der wertvollen Teichfledermausfunde. Zur Klärung der Artdiagnose in unübersichtlichen Quartieren, wie sie beispielsweise große Dachräume darstellen, erwies sich der Fang mit dem Netz als sehr hilfreich. Zum Fangen direkt an Fledermausquartieren wurde die Fledermausharfe verwendet. In großem Umfang wurde der Fallenfang beim Nachweis von Kleinsäugern betrieben. Die exakte Klärung der Verbreitungsgrenzen geht unter anderem darauf zurück. Die bisher vorliegenden Kenntnisse zu Kleinsäugetierzönosen beruhen auf Untersuchungen mittels Fallenfang.


Totfundauswertung
Die Erfassung und Auswertung möglichst vieler Totfunde ist zur Klärung mancher Fragen hilfreich. Bei sehr seltenen und akut vom Aussterben bedrohten Arten ist es oft die einzige Möglichkeit, um an Datenmaterial zu gelangen. Bei Arten, die häufig verunglücken, wie zum Beispiel der Igel, ist eine lückenlose Kartierung schon allein durch Registrierung der Funde möglich.
 
 
 Auswerten von Gewöllanalysen
Spätestens seit UTTENDÖRFERs umfangreichen Untersuchungen (1930) ist die Gewöllanalyse auch unter dem Gesichtspunkt säugetierfaunistischer Arbeit nicht mehr wegzudenken. Gerade für die Kleinsäugetiere ist die Gewöllanalyse die wichtigste Bezugsbasis. Bei einer umfangreichen Untersuchung wurden insgesamt 95 030 Wirbeltiere mit 34 Säugetierarten aus 750 Gewöllaufsammlungen berücksichtigt – das entspricht 98 Meßtischblättern bzw. 238 Meßtischblattquadranten (= 56,6 %). Einige wertvolle Angaben gehen ganz oder überwiegend auf Gewölluntersuchungen zurück, wie zum Beispiel die zur Hausspitzmaus (Crocidura russula) und zur Kleinäugigen Wühlmaus (Microtus subterraneus). Der zuletzt genannte Artnachweis zeigt aber auch die Problematik der Gewöllfunde. So konnte die Kleinäugige Wühlmaus durch Fang bis heute nicht im Untersuchungsgebiet nachgewiesen werden. Bei den Gewöllfunden ist nicht mit Sicherheit auszuschließen, daß es eine andere Microtus-Art mit abweichendem Schmelzschlingenmuster auf den Molaren ist. Bei der Nordfledermaus diente ein Unterkieferfragment zur Artdiagnose und war Anlaß zu intensiver und schließlich erfolgreicher Nachsuche.

Jagdstatistik
Die Auswertung der Jagdstatistik, sowohl die der Bestandseinschätzung als auch die der Jagdstrecke, ist für viele Arten die einzige Möglichkeit, zu verwertbaren Angaben zur Verbreitung und zur Häufigkeit zu gelangen. Leider ist so die Zuordnung zum Meßtischblatt oder Meßtischblattquadranten nicht möglich. In den Bestandseinschätzungen sind bei einigen Arten große Abweichungen von der Realität offensichtlich; die viel zu niedrig geschätzten Bestände für den Hasen belegen das. Bei nicht flächendeckenden Vorkommen von Arten, so bei Wildkaninchen, Mufflon und Baummarder, ist die mosaikartige Verbreitung noch schlechter darstellbar als mit der Meßtischblattquadranten-Methode. Es wäre wünschenswert, die Statistik so zu qualifizieren, dass die Angaben unmittelbar in Verbreitungskarten eingehen können.

Markierung und Telemetrie

Die individuelle Kennzeichnung von Wildtieren (Ohrmarken, Armklammern u.a.m.) ist zu speziellen Fragen ein wichtiges Hilfsmittel. Mit der Beringung und dem Wiederfinden einer beringten Fledermaus lassen sich zum einen Rückschlüsse insbesondere auf die Wanderungen des Tiere ziehen. Diese Methode dient weiterhin der Ermittlung von Lebensraumgrößen, lässt Angaben zur Populationsstruktur und zur Mortalität sowie Rückschlüsse auf die Quartierstreue zu. Über mehrere Jahre wiederholt wiedergefangen und abgelesen lässt sich sehr bald ein regelmäßiger Zugweg verfolgen und so "nebenbei" sogar das Alter des Tieres bestimmen. Die Ergebnisse der Beringung werden bei den Artbearbeitungsangaben berücksichtigt. Eine besondere Form der individuellen Markierung ist die Besenderung. Telemetrische Untersuchungen sind inzwischen ein wichtiges Hilfsmittel zur Ermittlung von Streifgebietsgrößen aller Säugetiere und auch für spezielle Fragestellungen (z.B. Quartiersuche von Fledermäusen).

Bat-Detektor
In einigen wenigen Fällen wurden auch Feststellungen mit dem Bat-Detektor aufgenommen. In der Regel sind diese Nachweise jedoch lediglich als Hinweise zu werten, da nur wenige Arten, und auch dann nur mit entsprechender Erfahrung, sicher mit dieser Methode zu bestimmen sind. Hinzu kommt, daß die Erfassungsarbeiten überwiegend zu Zeiten erfolgten, in denen keine technisch ausgereiften Geräte zur Verfügung standen. Der Bat-Detektor ist trotzdem ein wichtiges Hilfsmittel zur Erkennung von Fangaktivitäten und zur Quartierfindung.
 
 
Fledermauskastenreviere
Neben der Förderung der Ansiedlung von Fledermäusen in höhlenarmen Holzplantagen (Forsten, oft als "Wald" bezeichnet) ist die Einrichtung von Fledermauskastenrevieren für den Nachweis einiger Arten von besonderer Bedeutung. So konnte erst durch den Einsatz von Fledermauskästen erkannt werden, daß die Rauhhautfledermaus nicht so selten ist, wie bis dahin allgemein angenommen wurde. Auch bei anderen Arten führte der Einsatz zu vergleichbaren Erkenntnissen.

Unter "Arbeitsthemen" finden sich praktische Anwendungen dieser Arbeitsmethoden, die Ergebnisse dieser Bestandserfassungen fließen vor allem in die "Fauna der Säugetiere Brandenburgs" ein.

Hier sei noch darauf hingewiesen, dass der Fang und die Markierung artgeschützter Tiere nicht von jedermann betrieben werden darf, in der Regel sind dafür Ausnahmegenehmigungen (beim Landesumweltamt zu beantragen) und ein entsprechender Sachkundenachweis erforderlich.