Hilfe für den Fischotter -
Lebensraumgestaltung und Biotopvernetzung

Der Fischotter (Lutra lutra) kommt in Mitteleuropa heute nur noch in Restpopulationen vor, deren Verbindungen untereinander infolge anthropogener Landschaftsveränderungen mehr und mehr abreißen. Er gehört daher in Europa zu den am meisten gefährdeten Säugetierarten. In der Bundesrepublik Deutschland gibt es großflächige Vorkommen nur noch in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, mit Einschränkung in Sachsen. Restbestände von oft vermutlich nur wenigen Tieren kommen in Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bayern vor. Im übrigen Bundesgebiet ist der Otter ausgerottet worden. In erster Linie durch Veränderung der Umwelt, wie Zersiedlung und Zerschneidung großer zusammenhängender geeigneter Lebensräume, verbunden mit Schadstoffbelastung. Neben diesen indirekten Gründen spielen aber nach wie vor auch direkt anthropogen bedingte Verlustursachen eine bedeutende Rolle. Zu den wesentlichsten zählen das Verenden in Reusen und der Tod auf der Straße.

Infolge des gestiegenen individuellen Verkehrsaufkommens und der Umverteilung des Gütertransports von der Schiene auf die Straße auch im Land Brandenburg ist es seit 1990 zu einem dramatischen Anstieg der Verkehrsopfer um 500 % (!) gekommen, der weiterhin anhält. Ein besonders hohes Risiko bilden dabei Straßen, die ein Gewässer kreuzen, vom Fischotter aber nicht unterquert werden können (z. B. an Rohrdurchlässen und Wehren). Da schon in der Vergangenheit – bei wesentlich weniger Reusen- und Verkehrsopfern – der Nachwuchs die Verluste teilweise nicht ausgleichen konnte, ist eine weitere rückläufige Entwicklung der Fischottervorkommen zu befürchten. Totfunde dieser Art sind daher umgehend zu bergen, da sie über die Naturschutzstation Zippelsförde als die im Land Brandenburg für Säugetierschutz verantwortliche Einrichtung des Landesumweltamtes gesammelt und in Zusammenarbeit u. a. mit dem zoologischen Institut der Martin-Luther-Universität Halle einer zentralen Totfundauswertung zugeführt werden, die vor allem auch wichtige Daten für weitere Schutzmaßnahmen liefert. An dieser Stelle sei den Herren Prof. Dr. M. Stubbe und Dr. D. Heidecke vom Zoologischen Institut sowie den Präparatoren Herrn Altner und Herrn Kümmel für die gute Zusammenarbeit bei der Bearbeitung und Auswertung der Totfunde herzlich gedankt. Dem Land Brandenburg kommt, bedingt durch sein fast flächendeckendes Ottervorkommen, eine besondere Bedeutung für das Überleben der Art in Mitteleuropa zu! Die Entwicklung, gerade auch in den alten Bundesländern, hat gezeigt, daß trotz Schutz die Bildung von isolierten Vorkommen und letztendlich die Ausrottung des Otters unausweichlich ist, wenn nicht großflächige, unzerschnittene Lebensräume geschützt werden.

Deshalb ist es wichtigstes Anliegen des Fischotterschutzes in Brandenburg, das noch vorhandene großräumige Verbreitungsnetz trotz weiterer wirtschaftlicher, touristischer und damit im Zusammenhang stehender verkehrstechnischer Erschließung zu sichern. Dazu zählt auch der umweltverträgliche Ausbau der Verkehrswege einschließlich ottergerechter, weitlumiger Brücken über alle potentiellen Ottergewässer.

Neben dem Straßenverkehr gehören Fischreusen heute zu den häufigsten Todesursachen beim Fischotter. Während die Netze der Reusen zu früheren Zeiten aus pflanzlichen Garnen, beispielsweise Hanf, geknüpft waren und ein hineingeratener Otter sich meist hindurchbeißen und entkommen konnte, gibt es aus den heute verwendeten Kunststoffreusen für die Tiere kein Entrinnen mehr. Die Reusen liegen unter Wasser, eingedrungene Fischotter finden den Weg nicht mehr hinaus und müssen ertrinken.

Deshalb suchten bereits Fischer und Naturschützer aus verschiedenen Ländern, u.a. aus Großbritannien, Dänemark und Deutschland, gemeinsam nach einer Lösung zur Verhinderung des Reusentodes von Ottern. Verschiedene Typen von Reusengittern, die in der Einstiegskehle einer Reuse eingenäht werden und so verhindern, daß der Otter durch den ersten Kehldurchlaß in die Reuse gelangen kann, wurden entwickelt und erprobt. Einige Gittertypen – angewendet für Reusen mit Schwerpunkt Aalfang – erwiesen sich als gut geeignet und brachten gleiche oder nur geringfügig kleinere Aalerträge als Reusen ohne „Ottersicherung“. Erfahrungen mit anderen Gittertypen oder bei größeren Fischarten belegen einen eingeschränkten Fangertrag.

Gemeinsam mit Fischereiwissenschaftlern und -praktikern wurde nun eine Reuse zur Vermeidung von Reusenopfern bei gleichzeitiger Berücksichtigung der Belange der Fischerei entwickelt und befindet sich im zweiten Jahr der Erprobung. Grundlage bildet ein schon seit längerer Zeit in der Küstenfischerei eingesetzter Großreusentyp, die kombinierte Kumreuse (siehe nebenstehende Abbildung). Durch ein in die zweite Kehle eingearbeitetes Reusengitter mit Kantenlänge der Durchlässe von 85 mm wird bei Gewährleistung des Aalfanges ein Eindringen des Otters in die Bügelreuse verhindert. So kann der Otter zwar in den Kum gelangen, aber durch die nach oben offene Fangkammer wieder herausklettern. Obwohl der Einsatz einer solchen Reuse einen gewissen zeitlichen Mehraufwand für den Fischer zur Folge hat, so besteht doch ein Vorteil neben der Gewährleistung des vollen Fangertrages auch in der besseren Hälterung der großen Fische in der kumartigen Fangkammer als Voraussetzung für eine qualitativ hochwertige kommerzielle Nutzung. Die Anwendung dieser „kombinierten Kumreuse mit eingebautem Otterschutzgitter“ dürfte daher sowohl von Seiten des Naturschutzes als auch der Fischerei einen annehmbaren Kompromiß darstellen.

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