Quartiernutzung ausgewählter Winterquartiere

In vier ausgewählten Winterquartieren (Bunker Frankendorf, Stollensysteme Rüdersdorf, Eiskeller Güldendorf und Brauereikeller Frankfurt/Oder) wurden Art und Weise sowie Umfang der Nutzung ermittelt. Als Methoden wurden Aktivitätsmessungen und Beringung eingesetzt. Im Rahmen dieser Quartiernutzungsuntersuchung wurden insgesamt etwa 600.000 Daten aufgenommen und ausgewertet.

Großer Bunker Frankendorf
Im Quartier befinden sich 3 Einflüge, die alle überwacht werden. Über den gesamten Jahresverlauf konnten Flugaktivitäten festgestellt werden gibt, die im August nach dem Flüggewerden der Jungen rasch ansteigen und bis zu 3000 Flugbewegungen/Nacht erreichen. Dabei ist zu bedenken, dass der Große Bunker in Frankendorf mit etwa 60 überwinternden Tieren noch zu den kleinen Quartieren rechnet und es vermittelt eine Vorstellung, was bei großen Quartieren mit 1000 und mehr überwinternden Individuen zu erwarten ist. Im gleichen Zeitraum, also übers Jahr 1997, in dem die Flugaktivitäten aufgezeichnet wurden, wurden auch an insgesamt 31 Tagen die im Quartier befindlichen Tiere gezählt. Da das Quartier recht übersichtlich ist, kann der Bestand annähernd exakt erfasst werden. Es konnten keine Übereinstimmung zwischen der Quartiernutzung in der Nacht (ausgedrückt durch die Flugaktivität) und der Anzahl der Tiere festgestellt werden, die darin den Tag verbringen (sowohl sommers wie winters). Diese Erkenntnisse sind neu und veranlassen dazu, nach neuen Schutzstrategien für, nach diesen Erkenntnissen "sogenannte", Winterquartiere zu suchen. Interessant ist auch, dass diese Befunde für alle 4 untersuchten Winterquartiere zutreffen, obwohl diese sich in Bezug auf Arten-Spektrum, Anzahl der überwinternden Tiere, Lage u.a. deutlich voneinander unterscheiden. Diese Unterschiede werden nur durch quartierspezifische Aktivitätsmuster sichtbar, die jedoch diese Grundaussage nur unwesentlich modifizieren.

Die Quartiere im Tagebau Rüdersdorf
In Rüdersdorf werden sechs verschiedene Einzelquartiere untersucht, die zwischen 1 und 8 Einflugöffnungen aufweisen. Quartierverhältnisset und Besatz sind in Rüdersdorf insgesamt kompliziert und schwer überschaubar. Nähere Angaben dazu in den umfangreichen Angaben von Dr. Haensel, die dem Projektnehmer vorliegen. Es wurden dafür etwa 90.000 Flugbewegungen ausgewertet. Das Bild entspricht dem aus Frankendorf bekannten. Die Befunde der übrigen untersuchten Quartiere entsprechen in Rüdersdorf diesen Ergebnissen weitgehend.

Eiskeller Güldendorf
Güldendorf ist ein großer Eiskeller mit nur einer Einflugöffnung. Hier überwintern bis zu 100 Tiere in 6 Arten. Es liegen dafür annähernd 24.500 Aktivitätsaufzeichnungen für das Jahr 1997 vor. Als quartierspezifische Besonderheit fällt relativ hohe Flugaktivität während des Frühjahrsausflugs auf.

Die Gewölbekeller in der ehemaligen Qstbrauerei in Frankfurt/Oder
Das Quartier ist eines der bedeutendsten in Brandenburg mit einer über Jahre anhaltenden progressiven Bestandsentwicklung. Die komplizierten Einflugverhältnisse machten eine Korrektur der vorgesehenen Überwachung notwendig. Es war nicht möglich, alle vorhandenen Ausflüge zu überwachen. Deshalb erfolgte an 3 Standorten die Messung der Flugaktivität. Im Gegensatz zu den anderen Quartieren, in denen die Überwachung der Ein- und Ausflüge doch annähernd vollständig erfolgt, werden in Frankfurt nur ein Teil davon registriert. Um diese Einschränkung der Untersuchungen wenigsten teilweise auszugleichen, wurde versucht die Flugbewegungen in einem Teilbereich mit Nachtsichttechnik zu erfassen. Da das Quartier erst im Laufe des Projekts in die Untersuchungen aufgenommen werden konnte, liegen erst Aufzeichnungen von wenigen Monaten vor. Die ersten Ergebnisse sind jedoch beeindruckend. So wurden von Beginn der Aufzeichnungen Mitte August 1997 bis zum Jahresende etwa 150.000 Flugaktivitäten registriert. Da ja nur Teilaktivitäten registriert wurden, ist im und am Quartier erheblicher Flugbetrieb.

Diese Untersuchungen sollen fortgeführt werden. Sie sind wichtige Hinweise, wie mit den teilweise einsturzgefährdeten oberirdischen Bauwerksteilen zu verfahren ist, damit negative Auswirkungen auf das Quartier vermieden werden. Die Untersuchungen in diesem Quartier. sind besonders wichtig, liefern sie uns doch Grundlagen, um Bestrebungen der Eigentümer zur Vermarktung des Grundstücks in ihren zu erwartenden Auswirkungen besser abschätzen zu können. Das betrifft insbesondere Feststellungen zu um das Quartier zu erhaltende Freiräume, zur Bebauungsgrenze und zur Gestaltung angrenzender Bauwerke.

Untersuchungen mit Hilfe der Beringung
In den beiden Quartieren in Frankendorf und Rüdersdorf wurde der erfassbare Winterbestand einmal pro Winter durchberingt. Da sich Beringungsuntersuchungen, die sich nur auf einen Projektzeitraum erstrecken, unsinnig sind, wurden natürlich vorangegangene Beringungsarbeiten in die Untersuchungen einbezogen. Rüdersdorf ist in dieser Hinsicht besonders wissenschaftshistorisch bedeutsam, wurde doch hier in den 30er Jahren unseres Jahrhunderts von Prof. Eisentraut die Fledermausberingung als wissenschaftliche Methode entwickelt, und seit dieser Zeit Tausende Tiere markiert. Allein zwischen 1964 bis 1997 wurden durch Dr. Haensel 25.912 Tiere in 13 Arten in Rüdersdorf beringt. Diese hohe Zahl markierter Tiere und die kontinuierliche Kontrolle der Bestände über Jahrzehnte war eine günstige Voraussetzung zur Abklärung der Frage, ob Fledermäuse ihr Winterquartier problemlos wechseln können. Hinzu kamen die für eine solche Untersuchung günstigen Umstände, daß durch den Bergbau ständig Quartiere vernichtet, andererseits aber auch teilweise wieder neue geschaffen wurden. Nach diesen Ergebnissen sind Fledermäuse offenbar nur bedingt in der Lage, ihr Winterquartier zu wechseln. Eine gewisse Ausnahme.von dieser Regel (?) ist danach nur bei 2 Arten (Mausohr und Graues Langohr) festzustellen. Gegenüber den Beringungszahlen aus Rüdersdorf nehmen sich die bisher 154 beringten Tiere in Frankendorf recht bescheiden aus. Aber in Frankendorf wird erst seit 1993 beringt. Hier stehen Untersuchungen zur Entstehung einer Winterschlafgesellschaft im Vordergrund. Die Beringung in beiden Quartieren hat außerdem gezeigt, dass die einzelnen Winterquartiere unabhängig von ihrer Größe ein Einzugsgebiet bis zu 250 km haben, wobei natürlich erhebliche Unterschiede zwischen den Arten bestehen.