Fledermäuse im Grenzbereich Deutschland / Polen / Tschechien

Projektpartner:
  • Deutsches Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit 
  • „pro Natura“ (polnische Naturschutzorganisation in Wroclaw - ehem. Breslau)
  • Heimatkundliches Bezirksmuseum in Ceska Lipa (ehem. Leipe), (Tschechische Republik)
  • Naturschutzstation Zippelsförde (Brandenburg)
  • Naturschutzbund (NABU) Brandenburg
  • Fledermausmarkierungszentrale in Dresden.

 

Die Entdeckung von Nietoperek
Nietoperek ist ein Dorf im heutigen Westpolen, nahe der Stadt Miedzyrzecz (ehemals Nipter nahe Meseritz). Der seit 1945 gültige neue Ortsname heißt auf Deutsch „Fledermausdorf“. Die Namensschöpfer ahnten damals nicht, dass das Dorf einmal wirklich zu einer Art Mekka der Fledermäuse werden würde. Unter Nietoperek und zwischen Oder und Warthe erstreckt sich auf rund 65 Kilometer Länge eine Kette von Bunkeranlagen, deren Bau bereits in der Weimarer Republik begonnen und in der NS-Zeit weiter betrieben wurde. Militärkreise hielten die als „Festungsfront Oder-Warthe-Bogen“ bezeichnete Militäranlage für die modernste aller Zeiten. Während der Periode des Kalten Krieges sollte der Verteidigungswall nach Westen „umgedreht“ und teilweise in atomsichere Schutzbunker umgestaltet werden. Obwohl reichlich Flüsterpropaganda kursierte, wusste man wegen der strengen Geheimhaltung von alldem weder in der früheren deutschen als auch nach dem Kriege in der polnischen Bevölkerung kaum etwas Genaues.

Das Kernstück der riesigen Anlage bildet ein System von sog. Panzerwerken und Kampfbunkern, das sich teils in mehreren Etagen unter Nietoperek sowie fast acht Kilometer weit nach Süden und gut sechs Kilometer nach Norden hin erstreckt. Die einzelnen Bauten sind mit einem geräumigen, verzweigten Tunnel von 32 km Gesamtlänge verbunden, in dem sogar eine Schmalspureisenbahn kursierte. Dieser Abschnitt muss die sowjetischen und später die polnischen Militärs so begeistert haben, dass sie dort - im Gegensatz zu anderen Bunkeranlagen - keine Sprengungen vornahmen.

Als die Polnische Armee 1957 die Anlagen verließ, wurden sie allmählich zur Attraktion nicht nur für Touristen, sondern auch für Schatzsucher, Abenteurer, Landstreicher und jugendliche Rabauken. Erst später gelangten auch Fledermausforscher hierher. Sie stellten mit Erstaunen fest, dass die Anlage wohl bereits seit längerer Zeit von Fledermäusen als Winterquartier genutzt wurde. Tatsächlich handelt es sich um das größte Fledermausquartier im nördlichen Teil Europas. In besonders guten Jahren können hier bis zu 30.000 Fledermäuse von 12 verschiedenen Arten nachgewiesen werden.

Es handelt sich um solche Arten, die für ihren Winterschlaf auf unterirdische Räume, in denen auch in der kalten Jahreszeit ein günstiges Mikroklima herrscht, angewiesen sind. Die Tiere stammen wahrscheinlich nur zu einem kleineren Teil aus der nahen Umgebung. Beringungsergebnisse belegen, dass viele aus bis zu 260 Kilometer entfernten Ortschaften in Mecklenburg und Sachsen, aber auch aus weiter östlich gelegenen Gebieten kommen, um hier zu überwintern. Doch noch ist das Zugverhalten der in Nietoperek überwinternden wie generell von Fledermäusen erst bruchstückhaft bekannt...

Wen dieses Projekt interessiert, dem sei als Lektüre der nachfolgende Bericht von der Stiftung Europäisches Naturerbe (EURONATUR) empfohlen, aus ihm ist auch der vorstehende Text entnommen worden:
EURONATUR-Projekt Fledermäuse.