Kirchenasyl für Fledermäuse

Die in Brandenburg vorkommenden 18 Fledermausarten sind allesamt stark gefährdet und vom Aussterben bedroht. In der Bevölkerung gelten sie aufgrund ihrer nächtlichen Lebensweise und ihres lautlosen Flatterfluges als unheimliche Gesellen. Durch intensivierte Öffentlichkeitsarbeit konnte in den letzten Jahren einiges zur Aufklärung hinsichtlich der Lebensweise der einheimischen Fledermäuse beigetragen werden. So finden sich inzwischen häufiger Fledermauskästen an Privathäusern, wobei sicher auch der Aspekt, dass Fledermäuse als Insektenvertilger eine wichtige Rolle im Naturhaushalt erfüllen, mitspielt. In Anbetracht der Quartiernot kann man solche Einzelaktivitäten allerdings nur als Tropfen auf den heißen Stein werten.

Die Mehrzahl der in Brandenburg heimischen Arten nutzt Quartiere in und an Gebäuden, um ihre Jungen dort aufzuziehen. Großräumige, ungestörte Dachböden sind dafür ideal, aber in der heutigen Zeit nicht mehr in der Anzahl wie vor 50 Jahren zu finden bzw. nicht mehr für die Fledermäuse zugänglich oder nicht mehr nutzbar. Die Ursachen hierfür sind vielfältig und reichen vom Dachbodenausbau über Kirchensanierungen und Dacherneuerungen bis zur Holzschutzbehandlung mit giftigen Chemikalien.

In vielen dieser Fälle hätten ohne großen Aufwand auch die Belange solcher Kulturfolger wie Fledermäuse und Schleiereulen berücksichtigt werden können. Gespräche mit Leuten vor Ort zeigen immer wieder, dass hier oft nicht der fehlende gute Wille sondern einfach Unkenntnis die Ursache ist. Bei der Suche nach Fledermausquartieren im Rahmen der Erfassungen für die "Säugetierfauna Brandenburgs", wurden auch viele Kirchen untersucht. Dabei wurden nur wenige optimale Quartiere vorgefunden. Eine ganze Reihe von potentiellen Quartieren in Kirchen kann jedoch durch gezielte Hilfsmaßnahmen aufgewertet werden.

Im Rahmen des Projektes (fachliche Betreuung und Koordination: Frau Dr. Beatrix Wuntke, gefördert durch Lottomittel des Landes Brandenburg) wurden modellhaft mehrere Kirchen in den Landkreisen Potsdam-Mittelmark und Spree-Neiße fledermausgerecht ausgestattet.

Dazu erfolgten:

Anbringen von Fledermausbrettern und -kästen auf den Dachböden Verkleidung von festgestellten Spaltenquartieren einzelner Fledermäuse zur Vergrößerung des Quartiers fledermausgerechter Umbau/Ausbau der Einflugsöffnungen

Durch den Einsatz von Messloggern wurden in den neu geschaffenen Quartieren Temperatur und Feuchtigkeit aufgezeichnet. So konnte nach der ersten Sommersaison konkret überprüft werden, welche Bedingungen die Fledermäuse bevorzugten. Bei Bedarf können dann auch noch Quartiere umgebaut werden.

In beiden Kreisen sind ehrenamtliche Naturschützer aktiv, die über Kontakte zu Pfarrern und Kirchengemeinden verfügen. Mehrere Pfarrer hatten sich bereit erklärt, an diesem Projekt mitzuwirken, und der Umweltbeauftragte der evangelischen Landeskirche Berlin-Brandenburg, Reinhard Dalchow, unterstützte das Projekt bereits in der Beantragungsphase durch ein Empfehlungsschreiben an das Umweltministerium.

Im Anschluss an die Arbeiten wurde eine Dokumentation erstellt, die sowohl ein Informationsmaterial für die Landeskirche enthält, welches über kirchliche Verteiler in alle Gemeinden gehen soll, als auch für den NABU so aufbereitet ist, dass es als Modellprojekt für den fledermausgerechten Kirchen-"umbau" in Kürze ins Internet gestellt werden kann. Durch den LFA Säugetierkunde im NABU Brandenburg erfolgte im März 2003 die fachliche Abnahme der Projektkirchen.

Wenn Sie dieses Projekt unterstützen möchten - hier besteht die Möglichkeit zu spenden:

NABU-Spendenkonto 05742 38105, BLZ: 100 100 10, Postbank Berlin Kennwort: "Kirchenasyl"

Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung!