Verluste auf der ganzen Strecke

zum Konflikt Säugetier <=> Verkehr

Die Gruppe der Säugetiere ist (trotz ihrer oft dämmerungsaktiven Lebensweise) wie auch die Vögel und Amphibien durch menschliche Bautätigkeit und den Verkehr in direkter und indirekter Art und Weise betroffen. Neben dem unmittelbaren Verkehrsaufkommen sind auch die Art der Einbettung der Straße in die Landschaft, deren Linienführung (Zerschneidung der Landschaft und Unterbrechung der Wanderwege) und die Straßenbaumaterialien entscheidend für die Zahl der Verkehrsopfer. Da die Säugetiere (neben den Amphibien und Reptilien) stärker als die Vögel bodengebunden leben (sich fortbewegen zum Zwecke der Suche nach Nahrung, Partner oder Ruheplatz), wirkt sich deren artspezifisches Verhalten wesentlich auf die Opferzahlen aus. So verführt das verändertes Mikroklima asphaltierter Straßen (diese speichern Wärme und trocknen nach einem Sommerregen schneller als die meisten Bodenarten wieder ab) einige Arten zum längeren Verweilen in der für sie lebensgefährlichen Zone. Die üblicherweise vorherrschende Geschwindigkeit der Fahrzeuge (dies gilt auch für den Schienenverkehr) ist für die meisten Arten „übernatürlich“ hoch. Und wenn den größeren Arten wie Fuchs, Reh und Hirsch oft auch noch schnelle Reaktionen und flinke Füße helfen – ein Igel überlebt eine Straßenüberquerung oft nicht mehr.

So haben wissenschaftliche Untersuchungen über das Verhalten von Igeln „im Straßenverkehr“ gezeigt, dass Igel Straßen nicht an bestimmten Wechseln überqueren, nicht nur in der Dämmerung unterwegs sind und auch die meiste Zeit des Jahres herumwandern. Herannahende Autos werden von ihnen nicht oder erst viel zu spät als Gefahr bemerkt. Igel versuchen dann zumeist, nach einem kurzen Verharren hurtig die Straße zu verlassen (leider nicht unbedingt auf dem kürzesten Weg). Nur ein angepasstes Fahrverhalten der Autofahrer (gedrosselte Geschwindigkeit in der Dämmerung) kann neben den Igel auch anderen Wildtieren ein Überleben gewährleisten.

Unter Mitarbeit vieler ehrenamtlicher Helfer werden z.B. seit mehreren Jahren Verkehrsopfer registriert. So wurden allein im Zeitraum von 1993 bis 2001 mindestens 3150 Igel auf Brandenburger Straßen überfahren (die Dunkelziffer dieser Verluste liegt mit Sicherheit viel höher, da bisher keine zu 100% flächendeckende Erfassung erfolgt und somit nicht alle Opfer entdeckt werden). Die genauen Zahlen (Auswertung von H.-W. Maternowski) werden in der nebenstehenden Grafik veranschaulicht (zum Vergrößern bitte Klicken).

Um aus den leider sehr hohen Verkehrsopferzahlen unter den Wildtieren auch Informationen über das Vorkommen und die Populationsgröße der einzelnen Arten entnehmen zu können, ist der Landesfachausschuss für Säugetierkunde auch auf die Informationen aus der Bevölkerung angewiesen.

Zu diesem Zweck ist ein besonderes Formular entwickelt worden. Die eingehenden Daten werden wissenschaftlich ausgewertet und tragen zum einen zu einer vermehrten Kenntnis über Vorkommen und Verhalten von Säugetiere in der Natur bei. Zum anderen ermöglichen es uns diese Daten, Argumente für und wider bestimmter Verkehrsplanungen zu begründen. Denn nur die genaue Kenntnis über die Todesursachen ermöglicht eine erfolgversprechende Einflussnahme.

Wir danken Ihnen für Ihre Mitarbeit !

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