Schläfer in Brandenburg?

Auf den Spuren der Siebenschläfer in Brandenburg

Die Schläfer (Familie Gliridae) gehören zu der Ordnung der Nagetiere (Rodentia) und sind in Mitteleuropa nur durch 4 Gattungen und diese jeweils nur durch eine Art vertreten (Garten-, Baum-, Siebenschläfer und Haselmaus). Diese zumeist nacht- und dämmerungsaktiven Tiere sind auf Grund ihrer versteckten Lebensweise nur schwer zu beobachten. Im Gegensatz zu den anderen Nagern sind diese Arten Baum- und Gebüschkletterer.

Der Siebenschläfer (Glis glis) schläft wirklich viel und lange. Allein in einer selbstgegrabenen Erdhöhle verbringt er 8 (!) Monate des Jahres im Winterschlaf. In Größe und Aussehen ähnelt er einem kleinen Eichhörnchen (allerdings ist sein sehr weiches und dichtes Fell auf der Oberseite von gelblich-grauer Farbe). In unterholzreichen Laub- und Mischwäldern bauen Siebenschläfer kunstvolle kugelförmige Nester in Baumhöhlen, manchmal auch in Vogelnistkästen. Nach der Paarungszeit (Juni/Juli) und einer Tragzeit von etwa einem Monat werden 1 mal pro Jahr 3 bis 6 (gelegentlich bis 9) Junge geboren, die erst nach drei Wochen ihre Augen öffnen (Nesthocker). Zur Nahrung der Siebenschläfer gehören neben rein pflanzlichen Teilen (Knospen, Rinde, Blätter, Früchte und Samen) auch Tierische Kost (Insekten, Schnecken, Vogeleier und auch Jungvögel). Die Art selbst wird insbesonder von Waldkauz und Baummarder gejagt.

Zur Zeit der Römer galten Siebenschläfer als besondere Spezialität (sie wurden gegessen und zu "medizinischen Zwecken" in großen Gehegen (sogn. Gliarien) gehalten und gemästet). Dies und die ständige Verringerung ihres Lebensraumes (Forstwirtschaft mit Bevorzugung der Kiefern und Durchforstung des Unterholzes) führten dazu, dass diese sehr störungsempfindliche Säugetierart in unseren Breiten sehr selten geworden ist.

Der Siebenschläfer ist derzeit die einzige Schläfer-Art, für die es im Land Brandenburg gesicherte Nachweise gibt. Diese kommen aus der Uckermark (Biosphärenreservat "Schorfheide - Chorin") und um das Vorkommen kümmern sich Betreuern aus der Region Prenzlau. Früher kam der Siebenschläfer, der zum Wildtier des Jahres 2004 gewählt wurde, auch in der Prignitz vor (ERHARDT, 1935) - von dort gibt es gegenwärtig keine gesicherte Nachweise (evtl. handelt es sich um ein entkommenes Gefangenschaftstier). Vom Vorkommen in der Lausitz (ROBEL 1980 / mündl.) fehlen noch Reproduktionsnachweise und genaue Angaben zur Ausdehnung. Weitere fragliche Einzelbeobachtungen bedürfen alle noch der Bestätigung. In angrenzenden Territorien ist die Art im nördlich anschließenden Teil von Mecklenburg (HEMKE 1984, LABES et al. 1987) verbreitet.

Da der Siebenschläfer auch menschliche Behausungen als Sommeraufenthalt nicht verschmäht und Obstgärten (oft baumhöhlenreich und mit Vogelnistkästen ausgestattet) gern aufsicht, wird der eine oder andere doch Bekanntschaft mit diesem interessanten Nagetier machen können.

Der Landesfachausschuss für Säugetierkunde ist daher sehr an solchen Beobachtungen interessiert, damit wir eine bessere Kenntnis über die Verbreitung dieser Art im Land Brandenburg erhalten und eventuell so gezielter etwas für den Schutz der heimlichen Gesellen veranlassen können. Sollten Sie Siebenschläfer beobachtet haben oder von deren Vorkommen wissen, so teilen Sie uns bitte Ihre Beobachtungen mit.