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Fledermausschutz im Siedlungsbereich

Fledermäuse gehören heute in Deutschland und darüber hinaus in Europa zu den am stärksten gefährdeten Säugetierarten. Bei den meisten Fledermausarten sind in den vergangenen Jahren zum Teil drastische Bestandsrückgänge festgestellt worden.

Bedingt durch ihre Lebensweise reagieren Fledermäuse empfindlich auf gestörte ökologische Zustände und sind so - natürlich im Verbund mit anderen Organismen - ein Güteanzeiger für eine ökologisch intakte Umwelt.

Zudem sind einige der 18 in Brandenburg vorkommenden Fledermausarten durch ihre enge Bindung an den Menschen zusätzlich gefährdet, denn sie leben ständig oder zeitweilig mit dem Menschen unter einem Dach. Dabei sind sie in der Auswahl der Quartiere außerordentlich variable und können sich je nach Fledermausart und Quartiertyp in und an Gebäuden sehr unterschiedlicher Art und an verschiedenen Stellen einquartieren. Die Lebensweise unserer Fledermäuse wird durch eine ausgeprägte Jahresperiodik charakterisiert. Nach ihrer Überwinterung in geeigneten Winterquartieren (Oktober bis März) kehren die Tiere in die Sommerquartiere zurück, wo sie ihre Jungen aufziehen ("Wochenstubenzeit", April bis August). Gerade in diesen Zeiten sind Fledermausvorkommen durch Beunruhigung und Störungen, wie sie durch Aus- und Umbau, Sanierungs- und Beräumungs- oder Holzschutzmaßnahmen entstehen, besonders gefährdet und deshalb bei der Planung von Bauvorhaben zu berücksichtigen.

Fledermäuse besiedeln nicht nur Altbauten, sondern auch Neubauten, selbst Hochhäuser werden von ihnen bewohnt. Besonders bei in Plattenbauweise errichteten Wohnblöcken bieten zahlreiche Spalten und Fugen im Dachbereich und an den Fassaden Quartiermöglichkeiten, die bevorzugt im Sommer, einige aber auch im Winter genutzt werden. Solche Quartiermöglichkeiten für die Fledermäuse zu belassen, Störungen in Grenzen zu halten und Verluste zu vermeiden, muss Ziel der Schutzmaßnahmen sein. Wenn daher bei Sanierungs- und Umbaumaßnahmen an Gebäuden Fledermäuse festgestellt werdern, ist zunächst eine der zuständigen Institutionen zu verständigen. Bis zu einer Klärung sind die Arbeiten sofort einzustellen. Bei bekannten Fledermausquartieren sind Renovierungs- und Umbaumaßnahmen in die Jahreszeit zu verlegen, in der sich die Tiere nicht im Quartier aufhalten (bei Sommerquartieren: Oktober bis Februar, bei Winterquartieren: Mai bis August) und nur nach Rücksprache mit der Naturschutzbehörde in Angriff zu nehmen.

Durch die zunehmende Tendenz des Ausbaus von Dachgeschosswohnungen und verstärkte Wärmedämmung werden den "Hausfledermäusen" traditionelle Quartiere in und an Gebäuden entzogen. Ritzen, Spalten und Fugen aller Art werden verschlossen und somit der ungehinderte Ein- und Ausflug von Fledermäusen verhindert. Aber es ist trotzdem möglich, Sanierungen, Wärmedämmmassnahmen u.ä. am Haus durchzuführen, und trotzdem für Fledermäuse Quartiere zu erhalten oder neu zu schaffen.

Mit Fledermauseinbausteinen, speziellen Dachziegeln ohne Gittereinsatz, besonderen Fledermausnistkästen bzw. -brettern und ein wenig gutem Willen lassen sich viele Möglichkeiten nutzen um diesen Arten wieder einen Unterschupf zu gewähren. Einige Hilfsmittel lassen sich leicht selbst bauen, andere werden bei einschlägigen Fachhändlern zum Kauf angeboten. Kästen und Bretter für Fledermäuse sollten sägerauh und unbehandelt (höchstens aussen mit ungiftiger Acrylfarbe geschützt) und, wenn überhaupt erforderlich, Dachböden nur mit fledermausfreundlichen Holzschutzmitteln behandelt sein.

Zur Überwinterung geeignet sind feuchte und frostfreie Räume, wie z.B. alte Eis-, Brauerei-, Gewölbe- und Erdkeller, die für Fledermäuse zugänglich sind und in Form von Fugen, Spalten und Nischen Versteckmöglichkeiten bieten. Nach Möglichkeit sollten (auch wenn von Menschen nicht mehr genutzt) derartige unterirdische Räume erhalten werden. Sind infolge von Sanierungsmaßnahmen Veränderungen am Quartier unabdingbar, ist auch der Fledermausschutz gebührend zu berücksichtigen. Es ist darauf zu achten, dass die objektspezifischen Temperatur- und Luftfeuchtigkeits-Verhältnisse nicht verändert werden und Ein- und Ausflugsöffnungen sowie Versteckmöglichkeiten erhalten bleiben. Verlorengegangene Spalten können durch Hohlblocksteine ersetzt werden. Auch hier ist bei solchen Maßnahmen eine Konsultation mit der Naturschutzbehörde vorgeschrieben.

Entscheidend für den Erfolg ist in jedem Fall eine geregelte Betreuung der Quartiere (dies schließt den Schutz, die Optimierung und eine regelmäßige Kontrolle ein).