Leben im Kasten -

Betreuung von Fledermauskastenrevieren

Der Breslauer Constantin Wilhelm Lambert Gloger (1803 - 1863) baute die ersten Fledermauskästen. Aber es vergingen noch etwa 100 Jahre, bis sich die Förderung der Fledermäuse durch das Einrichten von Fledermauskastenrevieren allmählich durchsetzte. Seit Ende der 60er Jahre wurden zu der alten Vorstellung, Fledermäusen künstliche Quartiere zur Verfügung zu stellen, neue Ideen hinzugefügt. Eine umfangreiche Palette verschiedener Fledermauskastenmodelle wurde konstruiert. Bis heute hat das Interesse daran nicht nachgelassen, und zahlreiche Kastentypen erwiesen sich als hervorragende Ersatzquartiere für natürliche Unterschlupfe der Fledermäuse. In höhlenarmen Forsten gelangen Fledermausansiedlungen. Ganz besonders in Brandenburg und Berlin waren diese Aktivitäten bedeutsam, da hier die faunistischen und regulativen Nachteile der forstlichen Monokulturwirtschaft durch deren Perfektionierung besonders hervortraten.

Der angekündigte Eifer im Umbau hiesiger Kiefernforste nach der Wende hat inzwischen eine marktwirtschaftliche Dämpfung erfahren, so dass die Arbeit mit Fledermauskästen noch Jahrzehnte eine dringende Empfehlung zur Verbesserung des Höhlenangebots bleiben wird. Inzwischen hat sich auch herausgestellt, dass die künstlichen Quartiere dauerhafter, sicherer, kleinklimatisch variabler und hygienischer sind als Naturquartiere. Fledermausfaunistisch und wissenschaftsmethodisch genießen sie zweifellos eine Spitzenposition.

Unsere kürzlich erfolgte Zusammenstellung von Fledermauskastengebieten und Fledermausbesatz (Mittl. LFA Säugetierkde. Brandenburg-Berlin 7, Hl, 1999) wies eine weite Verbreitung von Fledermauskastenrevieren aus, Konzentrationen in Mittel-, Ost-und Nordostbrandenburg, sowie eine spärliche Verteilung im Nordwesten bzw. ein Fehlen in West- und Südbrandenburg.

Die Einrichtung von Fledermauskastenrevieren ist für den Nachweis einiger Arten von besonderer Bedeutung. So konnte erst durch den Einsatz von Fledermauskästen erkannt werden, daß die Rauhhautfleder-maus nicht so selten ist, wie bis dahin allgemein angenommen wurde. Auch bei anderen Arten führte der Einsatz zu vergleichbaren Erkenntnissen (z.B. beim Kleinen Abendsegler).

Für einen Einzelnen wäre das der Arbeit zugrunde liegende Material nicht zu bewältigen gewesen, zumal die Bearbeitung in der spärlich bemessenen Freizeit erfolgen mußte. Am Zusammentragen des Datenfundus war und ist auch weiterhin ein großes Kollektiv ehrenamtlicher Mitstreiter beteiligt. Die Nutzung dieser Nachweise ist für viele Arten die wesentliche Grundlage.

Von den 18 bisher im Land Brandenburg lebenden Fledermausarten sind bisher 16 in Fledermauskästen nachgewiesen worden. Nur die Zweifarbfledermaus (Vespertilio discolor) und die Teichfledermaus (Myotis dasycneme), scheinen durch Kästen nicht in ihrer Quartierssuche unterstützt werden zu können.

 
Nachweishäufigkeit in Kästen
Braunes Langohr +++
Rauhautfledermaus +++
Großer Abendsegler +++
Kleiner Abendsegler +++
Zwergfledermaus +++
Fransenfledermaus +++
Brandtfledermaus ++
Mückenfledermaus ++
Großes Mausohr ++
Breitflügelfledermaus                   ++
Bartfledermaus +
Graues Langohr +
Wasserfledermaus +
Bechsteinfledermaus +
Mopsfledermaus +
Nordfledermaus (+)
Zweifarbfledermaus
Teichfledermaus